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17. April 2010

Wenn aus Comics im Moment Filme werden (und aus allen Comics werden im Moment Filme), dann passiert meistens eine entscheidende Sache: Egal, um welches Thema es im Comic geht, egal welche politsche Agenda der Autor im Sinn hatte, es endet immer, immer, immer als ein weiterer Meilenstein in Hollywoods Cinema War gegen Liberalismus und für Familienwerte und der Bestätigung eines langsam aussterbenden Männerbilds.

Eins vorneweg: Kick-Ass ist ein wunderbarer, witziger Film mit perfekt choreographierten Actionszenen und Gewalt, die keine körperlichen Schmerzen beim Zuschauer hervorruft (zumindest meistens nicht). Chloe Moretz legt hier einen fantastischen Karrierestart als Jungschauspielerin hin und Nicholas Cage als Adam West Batman ist Gold wert. Definitiv sehenswerter Film also.

Traurig wird es bloß beim Thema des Films. Wo der Comic ein nihilistisches Weltbild zeigte, in dem Superhelden egoistische Trottel sind, die alles, nur nicht das Wohlergehen ihrer Schützlinge im Kopf haben, so fehlt dem Film diese Ebene komplett. Kick-Ass der Film erzählt eine andere Geschichte. Es geht hier um Loser, die aus teils verständlichen, teils unverständlichen Gründen zu maskierten Vigilantes werden und durch den Glauben an Comics, Gerechtigkeit und Liebe zu tatsächlichen Helden werden. Man könnte jetzt hier mit Baudrillard ankommen – aber…keine Lust?

Auch die Kritik ist nur sehr half-assed. Entweder wird es geil gefunden ohne Wenn und Aber, oder aber furchtbar, dann aber wegen der Gewalt und der minderjährigen Chloe Moretz. Das aber verfehlt vollkommen, warum Kick-Ass nicht der beste Film des Jahrtausends ist: es ist bloß ein (guter) Superheldenfilm, mit allem was zum Superheldenfilm-Genre dazugehört.

Spoilers Ahead!


Problematisch an Kick-Ass ist der fehlende Mut, den Geist des Comics einzufangen. Etwas, das selbst Guy Ritchies Sherlock Holmes gut gelungen ist: ein pulpiger Action-Film basierend auf den Kurzgeschichten, die bei Erscheinung eben als Pulp galten. Der Inhalt wurde verändert, aber die Form angepasst – und Spaß macht Sherlock Holmes ebenfalls. Wo der Kick-Ass Comic eine Welt beherrscht vom Zufall zeigte, so ist im Film alles geordnet. Cause and Effect. Comic Hit Girl und Big Daddy hatten keinen Grund Mafiosi umzunieten, Big Daddy war kein Ex-Cop, er war ein Buchhalter.

Das Wundervolle an Comic Kick-Ass war die Erkenntnis, dass hier niemand ein Held ist. Dass alle nur Helden spielen. “Heldentaten” sind hier, nüchtern betrachtet, nichts weiter als blutrünstige Morde. Hit-Girl, ein Opfer eines genauso verwirrten Mannes, wie der, der sich am Anfang des Films/Comics vom Dach stürzt. Im Film dagegen ist Big Daddy tatsächlich eine Mischung aus Batman und Punisher. (Superkräfte inklusive)

Davie Lizewski bleibt einzige Identifikationsfigur. Ein Loser, der am Anfang und am Ende mit Nichts dasteht. Verprügelt und mit Kleenex in der Hand vor einer Pornoseite. Kick-Ass der Film bietet eine befriedigendere Lösung. Daves Superheldenexistenz beschert ihm Popularität und macht ihn zum Erwachsenen – oder erlaubt es ihm zumindest das Mädchen seiner Träume zu erobern.

Ebenfalls merkwürdig: die Rolle des Red Mist. Im Comic ein Mistkerl ohne Moral, scheint er im Film tatsächlich ein netter Kerl zu sein, tapferer als Kick-Ass und kein mutwilligere Mörder von Unschuldigen. Seine Verwandlung zum Super-Villain am Ende kommt erwartet, aber zusammenhangslos.

Kick-Ass, der Film, ist eine Teenage-Fantasie. Wie jeder andere Superhero-Film zeigt er, dass alles möglich ist, wenn DU es nur willst. Get a grip! Kick some ass!

Mit anderen Worten: Whatever!

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