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17. Februar 2010

MTV hat ein neues Logo, eins in dem Snookie, genauso Platz findet wie der Brillennerd, den ich nicht zuordnen kann, aber: keine Musik. Amy & Pink Marcel fasst das ganz gut zusammen:

Unser Lieblingsfernsehsender MTV hat sich ein neues Logo gegönnt und damit nicht nur Lob geerntet. Für die einen ist es einfach eine verstümmelte, zusammen gedrückte Version ihres traditionsreichen Zeichens, für die anderen ist der Wegfall des Schriftzuges “Music Television” das endgültige Einverständnis dafür, dass die Magie der Musik schon längst dem ganzen Reality-Show-Mist wie “Date My Mom”, “Pimp My Car” oder “A Shot at Love with Tila Tequila” weichen musste. Damit begraben wir nun zum zehntausendsten Mal die leise Hoffnung, dass sich das Musikfernsehen vielleicht doch mal wieder in die richtige Richtung entwickelt.
[via AmyPink]

Hier aber mal ein Gegenvorschlag. Was wenn MTV nicht (nur) der Jamba-verscherbelnde, Snookiepunch-servierende Arschlochsender ist, sondern ein Gesamtkunstwerk?

Laut Popkultur-Diskurs Oberguru Henry Jenkins ist und war Popkultur nicht nur das Zeug, das die “Kulturindustrie” produziert und wir konsumieren, sondern auch eben immer ein großes Schlachtfeld der Bedeutungen. Ein ewiger Kampf um die Definition, was Pop ist und was Hochkultur, ob Antony und seine Johnsons jetzt in die Oper gehören oder in einen queeren Club, ob das Berghain jetzt das neue Bayreuth ist und MTV “Unterschichten-TV” oder postmodernes Irgendwas.

Tatsächlich ist aber die Schiene, MTV als Guilty Pleasure abzuschreiben, als Einblick in das Leben von erschreckenden Wracks, nur eine Verstärkung dessen was im Moment läuft: der Aneignung von Pop als neue Hochkultur. 10.000 Wörter intellektuell klingenden Bockmist auf Pitchfork und die Idee, dass Pop für “uns”, nicht für “die da draußen”, die “MTV-Gucker” ist, dass es guten Pop gibt und schlechten Pop für die Leute die die werten Strokes nicht wertschätzen, nicht verstehen, dass Rock hohe Kunst, dass Rumhampeln im Berghain barocker Exzess ist und die höchstwahrscheinlich Jersey Shore im Jamba Abo gucken.

Aber so funktioniert das nicht. Pop ist Pop, ob man will oder nicht. Und nur weil es Mist ist, kann man es nicht ignorieren. MTV ist bloß der Beweis, dass das Prinzip Pop, wie es idealisiert wird, nicht mehr funktioniert. Es ist eine Bankrotterklärung an TV-Kultur und an Pop-Musik. Pop ist nicht mehr der tolle Song dieser undergroundigen Band, es ist Snookie. Und sie kriegt auf die Fresse. Es sind die fiesen, reichen Gören aus Sweet 16, die Besessenheit mit bis zur Nutzlosigkeit aufgemotzten Autos.

Falls sich Kapitalismus und der ganze Schmarrn erst aus- und überleben soll bis er zusammenfällt, dann dokumentiert MTV den Umbruch, den Moment, wo nichts mehr geht. Es zeigt in extremer Form, dass Privatfernsehen der Wirtschaftlichkeit wegen furchtbar sein muss.

Mir geht MTV nicht weit genug. Ich will es noch furchtbarer, noch unerträglicher haben. Ich möchte, dass MTV das Konzept Fernsehsender bis zum Erbrechen streckt. Wo ist die 24h Show “The Internet”, in der ein verzweifelter Moderator beim anclicken verschiedenster Seiten beobachtet wird? Wo sind die Shows, die keinen Inhalt mehr haben? Wann adotpiert bei Sweet 16 endlich einer der Gören ein nigerianisches Baby?

Wir sind Jersey Shore, ob wir wollen oder nicht. MTV hält uns bloß einen ins unendliche verzerrten Spiegel vor.

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Kommentare (1)


One Response to “MTV ist der Beste Sender der Welt”

  1. dinorobotinc sagt:

    [...] und generelle Furchtbarkeit angeht allen anderen überlegen. Meta-mäßige-Schrecklickkeit in allen Ehren, aber es gibt einen Unterschied zwischen kommentarlosem Darstellen (My Sweet 16, Jersey Shore) und [...]

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